Portrait

«Draussen Nüssler schneiden – da bin ich glücklich»

Jenny Müller, 20, ist Gemüsegärtnerin mit Leib und Seele

jenny mueller

Über der Landschaft hängt eine sommerliche Dunstglocke. Das Thermometer zeigt bereits über 25 Grad, und das obwohl erst Anfang Mai ist. Auf dem Gemüsebaubetrieb herrscht emsige Geschäftigkeit. In einer grossen Halle wäscht eine Gruppe portugiesischer Arbeiter frisch geerntete Eisbergsalate, nebenan ist der Lehrling mit dem Bündeln von Radieschen beschäftigt. Mitten in dieser Betriebsamkeit steht Jenny Müller und strahlt Professionalität und Ruhe aus. Die 20-Jährige ist ausgebildete Gemüsegärtnerin.

Als es in den letzten Schuljahren um die Berufswahl ging, hätte Jenny Müller nie daran gedacht, dass sie einmal als Gemüsegärtnerin ihr Auskommen finden würde. Jenny war eine Pferdenärrin
und wollte ihr Hobby zum Beruf machen. «Nach einer Schnupperlehre als Pferdepflegerin war aber schnell klar, dass dies nichts für mich ist.» Also ab auf die Berufsberatung. Dort hat Jenny eine Broschüre in die Hand gedrückt bekommen, auf der Bilder einer Gemüseernte zu sehen waren. «Da wusste ich: das ist etwas für mich.» Die Stelle für die Schnupperlehre war schnell gefunden. Ebenso schnell fiel der Entscheid, auf demselben Betrieb gleich die Lehre zu machen.

Bereits während der Ausbildung hat Jenny viel Verantwortung übernommen.
Sie durfte auch einen Teil der Büroarbeiten erledigen. Ansonsten hat sie aber die gleichen
Pflege- und Erntearbeiten ausgeführt wie alle anderen Arbeiter. Im Gemüsebau wird zu Saisonzeiten länger gearbeitet als im Winter. Für Jenny Müller ist das kein Problem: «Ich muss morgens
im Sommer einfach früh raus, sogar am Sonntag stehe ich um 7 Uhr auf.» Während der Lehre hat sie auf dem Hof gewohnt, so konnte sie sich einen weiten Arbeitsweg sparen.

Die Arbeit als Gemüsegärtnerin ist stark vom Wetter und der Saison abhängig.
«Wenn es über Wochen regnet, kann es vorkommen, das einem der Chef früher nach Hause schickt, weil es einfach nichts zu tun gibt.» Das ist aber selten der Fall. Im Winter wird viel in den Hallen gearbeitet. Jenny Müller findet das nicht so toll: «Einmal habe ich während dreier Monate nur Gemüse gerüstet.» Als sie sich beim Chef darüber beschwerte, durfte sie sofort wieder nach draussen zum Arbeiten. Denn ob Wind und Wetter, Sonne und Hitze: Jenny Müller mag die Launen der Natur. «Wenn ich draussen auf dem Feld bin und in der Regenmontur am Boden knie, um Nüssler zu schneiden – dann bin ich glücklich.» Grundsätzlich hat die 20-Jährige keine Lieblingstätigkeit.

«Ob hacken, jäten, setzen oder ernten – alles hat seinen Reiz.»
Von den Maschinen, die auf dem Gemüsebau nicht mehr wegzudenken sind, mag Jenny am liebsten die Fräse. Mit dieser Maschine wird die Erde aufgelockert, um sie für die Aussaat vorzubereiten. Dass sie noch lange im Gemüsebau arbeiten wird, ist für Jenny Müller mehr als klar. Vorerst will sie ihren Freund unterstützen, der einen Gemüsebaubetrieb aufbaut. In fünf Jahren hätte sie dann das Alter für die Meisterprüfung: «Aber das geht zum Glück noch ein Weilchen und da brauche ich noch ein bisschen Berufserfahrung. »

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